Mein Bläss und ich, Teil 4

Monika und Stefan mit ihren 3 Hündinnen

1. Wie bist du ursprünglich auf den Bläss gekommen?

Mein Mann Stefan ist auf dem Bauernhof mit dem Bläss aufgewachsen. Er erinnert sich an Geska von der Steig oder Blanca vom Unterrain ‒ Namen, die in alten Stammbäumen noch zu finden sind.


Ich habe den Bläss sozusagen zusammen mit Stefan kennengelernt. Als wir den Landwirtschaftsbetrieb von Stefans Eltern übernommen haben, blieb die Appenzeller Sennenhündin Blanca bei uns auf dem Hof. Im Sommer, wenn die Schwiegereltern auf der Alp waren, schaute ich zu den Welpen. Ich bin «wie von selbst» in die Aufgaben der Zucht hineingewachsen.

2. Ist es dein erster Bläss?

In den 30 Jahren, in denen wir nun den Hof bewirtschaften, hat fast ununterbrochen ein Bläss zur Familie gehört. Unser erster eigener Bläss war Sandy von der Steig. Sie hat nie Welpen bekommen und wurde nicht sehr alt.

 

Die Kinder waren es, die mich dann überredeten, nochmals einen Welpen in die Familie aufzunehmen. Das war Umbra von der Steig (Lora), ein sehr typischer Bläss und eine wundervolle Zuchthündin. Aus dem ersten Wurf haben wir ihre Tochter Neila behalten. Unsere Kinder waren mit ihr während einigen Jahren im «Jugend und Hund» und haben dort gemeinsam vieles erlebt. Neila war ebenfalls Zuchthündin.

3. Wie heissen deine aktuellen Hunde, aus welcher Zucht stammen sie, wie alt sind sie?

Aktuell haben wir drei Hündinnen:

  • Xindi vom Brogershaus, geboren am 20.11.2011
    Xindi kommt aus dem letzten Wurf von Lora. Wir haben sie bei uns auf dem Hof behalten mit dem Ziel, eine Nachfolgerin in der Zucht für Lora zu haben. Xindi hatte zwei Würfe.
  • Fiora vom Schlosscappi, geboren am 25.11.2016
    Wir rufen sie Belina. Da wir bisher stets einen Welpen aus der eigenen Zucht behalten haben, war es ein besonderes Erlebnis, die kleine Hündin aus dem Kanton Luzern auswählen zu dürfen. Mit 9 Wochen ist sie bei uns eingezogen. Belina ist unsere aktuelle Zuchthündin. Sie hatte bisher drei Würfe.
  • Enzian vom Brogershaus, geboren am 19.3.2021
    Ihr Rufname ist Enya. Sie ist bei uns zur Welt gekommen, und wir haben uns entschieden, wieder ein Blässli zu behalten.

Unsere drei Hündinnen Enzian vom Brogershaus (Enya), Fiora vom Schlosscappi (Belina) und Xindi vom Brogershaus (v.l.n.r.) auf der Treppe vor dem Brogershaus, Juni 2021.

4. Welche Aktivitäten betreibst du mit deinen Hunden?

Unsere Hunde sind in erster Linie Hof- und Familienhunde. Sie sind bei allen Aktivitäten mit Begeisterung dabei. Sie begleiten uns bei der Arbeit auf dem Hof und helfen beim Kühetreiben.

 

Jedes Jahr im Herbst begleitet jeweils ein Bläss die Sennen und die Kühe an die Viehschau in Appenzell. Während einigen Jahren waren Xindi und Belina in der Familienhunde-Gruppe. Jetzt besuchen wir mit Enya wöchentlich den Junghundekurs.


Wir nehmen die Hunde oft mit auf ausgedehnte Wanderungen in den Alpstein.

Belina mit Stefan und ein paar Nichten und Neffen auf dem Weg an die Viehschau in Appenzell, Oktober 2021.

5. Welche Eigenschaften schätzst du an deinen Appenzeller Sennenhunden besonders?

Ich schätze vor allem die unendliche Treue, die Begeisterung, die sie an den Tag legen, das fröhliche Temperament. Und jeder Bläss hat auch seine ganz speziellen Eigenschaften:


Bei Xindi ist es der verständnisvolle Blick, mit dem sie einen anschaut. Ihre Treue geht so weit, dass sie nur ungern mit anderen von zu Hause weggeht, wenn ich nicht dabei bin. Bin ich dabei, können wir stundenlang unterwegs sein. Ihre Sturheit hat auch etwas mit Unbestechlichkeit zu tun.

 

Bei Belina ist es die Sanftheit und Liebenswürdigkeit allen Menschen gegenüber. Wahrscheinlich würde sie auch einen Einbrecher freudig begrüssen ...

 

Und Enya zeigt uns die Unbeschwertheit von einem jungen Bläss, sie ist verspielt, sehr temperamentvoll und aufmerksam.

Belina auf einer Bergwanderung im Alpstein, hier auf dem Weg zur Saxerlücke, Juli 2021.

6. Das lustigste, schönste oder denkwürdigste Erlebnis mit deinen Hunden?

Das absolute Highlight als Züchterfamilie haben wir im vergangenen Jahr erlebt. Belina war trächtig, und sie schleppte einen ansehnlichen Bauch mit sich herum. In den Tagen vor dem Geburtstermin habe ich regelmässig die Temperatur gemessen, aber es zeigte sich nichts Auffälliges. Am 19. März, einen Tag vor dem Geburtstermin, musste ich am Nachmittag noch für kurze Zeit zur Arbeit, deshalb brachte ich Belina vorsorglich in die Wurfkiste. Sie schaute mich vertrauensvoll an, wie wenn sie sagen wollte: «Kommt schon gut!»


Wieder zu Hause hörte ich es sogleich: Das unverkennbare Fiepen! Belina hatte ohne grössere Vorzeichen die ersten zwei Welpen bekommen. Es waren zwei sehr kräftige und sehr lautstarke Welpen! Belina war ziemlich aufgeregt, doch kurz nacheinander wurden das dritte, vierte, fünfte geboren und Belina beruhigte sich wieder. Sie hatte jetzt genug zu tun mit jedem einzelnen, das geboren wurde. So ging es weiter bis in den späten Abend hinein. Als es neun Welpen waren, legte Belina sich entspannt hin. Die Kleinen tranken, alle waren zufrieden, und wir waren überglücklich mit den neun gesunden Welpen.

Geschafft! Nach unzähligen Versuchen befinden sich alle Welpen für das Foto auf dem Bänklein. Der E-Wurf von Belina im Mai 2021.

Fotos: Miriam Fritsche

Während der Nacht schaute ich nochmals nach. Alles war ruhig, Belina schaute mich wieder vertrauensvoll an, dass alles gut ist. Am frühen Morgen war es dann Stefan, der als erster in die Wurfkiste schaute und mich ziemlich aufgeregt weckte: «Du musst unbedingt kommen und schauen!» Ich wusste nicht recht, wie ich das deuten sollte. Doch als ich die vielen Welpen sah, die sich da bewegten, war schnell klar: Das sind mehr als neun! Ich habe sie dreimal gezählt und musste einmal tief durchatmen. Es waren sieben Hündinnen und vier Rüden, einfach unglaublich. Alle waren gesund und munter und hatten ein durchschnittliches Gewicht.

 

Belina hat zehn Zitzen, doch sie hat es geschafft, alle elf zu säugen. Abwechslungsweise haben die einen geschlafen und die anderen getrunken. Die Welpen haben in den folgenden Tagen und Wochen an Gewicht zugelegt, und Belina hat das drei- und vierfache der normalen Tagesration gefressen und getrunken.


Es folgte eine sehr intensive, aber wunderschöne Zeit mit den elf kleinen Blässli, mit zehn Familien, die wir kennenlernten und mit ganz vielen weiteren Besuchern und Besucherinnen.


Die grösste Dankbarkeit gilt jedoch Belina, welche diese unglaubliche Aufgabe souverän meisterte. So haben wir es ihr gerne verziehen, dass sie immer wieder die Spielsachen aus dem Welpengarten räumte, weil der Spieltrieb manchmal stärker war als die Mutterrolle.


Interview: Daniela Rinderknecht

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Erstellt von: Daniela Rinderknecht, Textwerkerei