Mein Bläss und ich, Teil 1

Dina und Jürg mit ihren 4 Hunden

Scarlet: immer für Spass und Action zu haben.

 Foto: Dina Untersee

1. Wie bist du ursprünglich auf den Bläss gekommen?

Ehrlich gesagt: keine Ahnung. Irgendwie war es einfach immer klar, dass bei uns einmal ein Appenzeller Sennenhund einziehen wird. Vermutlich weil wir ‒ durch die Nähe zum Appenzellerland und zum Alpstein-Gebiet ‒ schon als Kinder oft Begegnungen mit dieser Rasse hatten.

2. Ist es dein erster Bläss?

Ja. Elvis ist unser erster Bläss und unser erster eigene Hund überhaupt. Aufgewachsen bin ich mit Cavalier King Charles Spaniels.

3. Wie heissen deine aktuellen Hunde, aus welcher Zucht stammen sie, wie alt sind sie?

  • Elvis vom Rütelihof, geb. 22.3.2008, zog mit 5 Monaten bei uns ein.
  • Presley-Carob vom Inseli im Schwendetal, geb. 23.11.2010, zog mit 9 Wochen bei uns ein. Wir haben ihn und seine Geschwister vorher 1- bis 2-mal pro Woche besucht.
  • Scarlet-Aljoscha vom Inseli im Schwendetal, geb. 11.11.2012, zog mit 9 Wochen bei uns ein. Ich war jedoch bereits bei ihrer Geburt mit dabei und sah sie fast täglich, bis sie zu uns ins Rheintal zog.
  • Hakuhauskan Lentävä-Lumikki, geb. 1.7.2021, flog mit mir mit 8 Wochen von Finnland in die Schweiz.

4. Welche Aktivitäten betreibst du mit deinen Hunden?

  • Elvis ist pensionierter Agility-Sporthund. Seine grössten Erfolge:
    Vize-Schweizermeister Schweizermeisterschaft für Vereine 2015
    Qualifikation als Mitglied der Schweizer Mannschaft für die Europameisterschaft in Frankreich 2016
    Qualifikation und Teilnahme als «Best of Country» im Finale der Europameisterschaft in Frankreich 2016
    2. Platz mit der Schweizer Mannschaft am Master-Agility-Cup in Emmendingen, Deutschland 2017
    Qualifikation Finale Schweizermeisterschaft 2017
    3. Platz mit der Schweizer Mannschaft am Master-Agility-Cup in Emmendingen, Deutschland 2018

    Seit seiner Pensionierung im Agility-Sport ist Elvis im Mantrailing unterwegs. Ausserdem ist er Trüffelsuchhund.
  • Presley macht mit Jürg Agility-Sport. Seine grössten Erfolge:
    Final-Qualifikation und -Teilnahme Schweizermeisterschaft 2016
    Final-Qualifikation und 5. Schlussrang am Magna Racino Agility-Turnier 2019
    Final-Qualifikation und -Teilnahme am Slovenian Open 2021, 13. Schlussrang im Einzel
    Final-Qualifikation und -Teilnahme am Slovenian Open 2021, 5. Schlussrang im Team
    Qualifikation und Teilnahme Schweizermeisterschaft 2021

    Aber auch an Hundeausstellungen hat Presley gepunktet:
    Schweizer Jugendschönheits-Champion
    Schweizer Schönheits-Champion
    3x SCAS-Clubsieger in Folge

    Ferner ist Presley ausgebildeter und geprüfter Therapiehund (Therapiehunde Schweiz) und geht auch auf Trüffelsuche. Ausserdem ist er ein im SCAS angekörter Deckrüde.
  • Scarlet macht mit mir Agility. Ihre grössten Erfolge:
    Qualifikation und Teilnahme kleines Finale am Amadeus Agility World Cup in Salzburg, Österreich 2017
    Qualifikation und Teilnahme am Finale der Schweizermeisterschaft 2020
    Final-Qualifikation und -Teilnahme am Slovenian Open 2021, 5. Schlussrang im Team
    11. von 189 Teilnehmenden an der Bavarian Agility Challenge in Kreuth, Deutschland 2022

    Scarlet ist ebenfalls im Mantrailing und als Trüffelsuchhund unterwegs.
  • Lumikki, unsere Jüngste, ist Agility- und Trüffelsuchhund in Ausbildung.

Lumikki: unsere kleine Finnin.

 Foto: Dina Untersee

5. Welche Eigenschaften schätzst du an deinen Appenzeller Sennenhunden besonders?

Treue, Unbestechlichkeit, Intelligenz, Kämpfernatur, Ehrgeiz, raue Schale ‒ weicher Kern, «Will to please» (möchte gefallen), gepaart mit einem eigenen Kopf und eigenen Ideen, kein Kadavergehorsam.

6. Das lustigste, schönste oder denkwürdigste Erlebnis mit deinen Hunden?

Schwierig, hier zu antworten. Unsere Hunde bringen uns tagtäglich zum Lachen. Es gibt so viele unzählige Anekdoten aus Alltag und Sport, von Wanderungen und unseren gemeinsamen Reisen. So viele nette Menschen im In- und Ausland haben wir dank unseren Hunden kennen lernen dürfen, so viele Freundschaften wurden geschlossen. Ich sollte wohl ein Buch schreiben. ;-)

Ich beschränke mich deshalb auf zwei Anekdoten:

Wo ist Elvis?

Auf dem Spaziergang wollte er wieder einmal nicht hören, der Rückruf klappte hinten und vorne nicht, er war in seiner eigenen Pubertäts-Welt versunken. Da versteckten wir uns ‒ wie es einem in «schlauen Büchern» geraten wird ‒ und warteten darauf, dass er uns suchen kommen würde.

Als wir nach ein paar Minuten Ausharren im Versteck noch kein Erfolgserlebnis verzeichnen konnten, sprich, Elvis uns nicht suchen kam, und es ‒ im Gegenteil ‒ auf einmal ganz leise und still war, kamen wir hinter den Bäumen hervor. Von Elvis fehlte jedoch jede Spur!

Panisch suchten wir ihn. Wir rannten umher, riefen laut seinen Namen ‒ keine Reaktion. Bis wir ihn auf einem Grundstück etwas abseits unseres Spazierweges fanden: Im Schwimmteich einer fremden Familie, fröhlich seine Runden schwimmend. Und es dauerte ganz schön lange, bis wir ihn dann aus dem kühlen Nass herauslocken konnten. Wir waren in ständiger Angst, dass plötzlich die Besitzer auftauchen könnten und wir uns würden erklären müssen.

Elvis hat sich beim Absprung etwas verschätzt und hat dennoch alles gegeben, damit die Stange oben bleibt. Voller Einsatz von ihm ist stets gewiss.

Foto: Yasuhiro Ohori

Eine eindrückliche Erfahrung mit Presley als angehender Therapiehund

In der Therapiehundeausbildung durften wir anfänglich unter Aufsicht nur fünf Minuten mit den Klienten verbringen. Jedes Mal wurde uns ein/e andere/r Bewohner/in des Alters- und Pflegeheims zugeteilt. Natürlich war ich immer sehr nervös, ich wusste nicht so recht, was ich machen und wie ich Presley anleiten sollte.

Bei unserem ca. fünften Ausbildungsbesuch wurden Presley und ich einer lethargischen Frau im Rollstuhl zugeteilt. Sie erschien mir klar im Kopf, nahm aber nicht aktiv am Leben teil. Meine Nervosität wuchs, schliesslich standen wir stets unter dem strengen Blick unserer Ausbilderinnen.

Was sollte ich tun resp. wie sollte ich Presley sagen, was er tun sollte? Er durfte ja nicht auf den Schoss der Dame im Rollstuhl hüpfen. Auf meine Fragen reagierte sie nicht. O je, so können fünf Minuten ganz schön lange werden!

Das feine Gespür von Presley nahm mir alle Bedenken und Überlegungen ab. Er setzte sich ganz von alleine neben den Rollstuhl der Dame. Schubste mit seiner Nase ein paar Mal die Hand der Dame an, welche etwas herabhing. Plötzlich bewegte sich die Dame, setzte sich aufrecht hin und legte ihre Hand auf Presleys Kopf. Sie streichelte Presley ganz langsam und sanft. Presley schmiegte sich regelrecht an den Rollstuhl und drückte seinen Kopf in die Hand der betagten Frau. Ganz leise und langsam fing die Dame an zu sprechen. Sie erzählte von früher, sie hätten auch immer Hunde gehabt, Berner Sennenhunde. Die Pflegerinnen und unsere Ausbilderin waren so beeindruckt ‒ sie hatten Tränen in den Augen, so dass sie statt der gewohnten fünf Minuten die Zeit mit der Patientin auf fast Dreiviertelstunden ausdehnten.

Eigentlich hätte die Dame in die Ergotherapie gemusst, und Presley und ich zurück in unsere Klasse. Das war in diesem Moment völlig egal, alle waren einfach nur dankbar und freuten sich darüber, wie die Dame in Presleys Anwesenheit regelrecht aufblühte. Selbst als wir uns dann doch verabschiedeten, und die Dame in die Ergotherapie geschoben wurde, hielten die Eindrücke bei ihr an, so dass sie sich zum ersten Mal in der Ergotherapie aktiv beteiligte. Nach diesem ergreifenden und eindrücklichen Erlebnis war ich bei Patientenbesuchen nicht mehr nervös. Ich wusste, Presley würde schon das Richtige tun.


Interview: Daniela Rinderknecht

«Seepferdchen» Presley in seinem Element.

Foto: Dina Untersee

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Erstellt von: Daniela Rinderknecht, Textwerkerei