Mein Bläss und ich, Teil 6

Renate mit Merlina

1. Wie bist du ursprünglich auf den Bläss gekommen?

Durch Bücher, als ich eine geeignete Hunderasse für mich suchte. Es musste ein kurzhaariger, mittelgrosser, temperamentvoller, intelligenter und gesunder Hund sein. Und natürlich auch, weil ich als Kind in meinen Skiferien in der Surselva auf einem Bauernhof Bekanntschaft mit einem roten Appenzeller-Mix gemacht habe.

2. Ist es dein erster Bläss?

Vorher hatte ich schon einen Appenzeller Sennenhund, Freia Harztanne (1993–2008).

3. Wie heisst dein aktueller Hund, aus welcher Zucht stammt er, wie alt ist er?

Merlina vom Sunnestärn, geboren am 3. Mai 2006. Ich habe sie mit 8 Wochen übernommen. Momentan habe ich nur sie. Merlina ist angekört, ich habe aber nie mit ihr gezüchtet, da es unsere Wohnsituation nicht erlaubt.

Merlina vom Sunnestärn, als sie ein Jahr alt war.

4. Welche Aktivitäten betreibst du mit deinem Bläss?

Mit Merlina machte ich Prüfungen in den Sparten Begleithund, Fährtenhund, Agility, Obedience und UK-Obedience.


In der Sparte Begleithund 3 belegten wir an der Schweizermeisterschaft aller Rassen den Rang 15 mit AKZ (Ausbildungskennzeichen). Bei der Schweizermeisterschaft der Schweizer Hunderassen belegten wir bei jedem Start, rund viermal, den 1. Rang.


Wir starteten siebenmal an der Para-Agility-Weltmeisterschaft und wurden 2013 und 2014 Vize-Weltmeister*innen.  An jeder dieser sieben Weltmeisterschaften holten wir mindestens eine Medaille.


Daneben bestritten wir noch erfolgreich Prüfungen in den Klassen Fährtenhund 3 und Obedience 3.


Auch in verschiedenen Klassen der UK-Obedience waren wir stets erfolgreich unter den ersten Drei.


Als Merlina 12,5 Jahre alt war, starteten wir zum letzten Mal an einer Prüfung. Merlina wurde schwerhörig, und verstand meine Kommandos auf Distanz nicht mehr. Aber wir sind immer noch regelmässig auf dem Hundeplatz und machen ein wenig Unterordnung und Futtersuche. Auch die Suche nach dem Hölzchen, das ich in den Händen gehalten habe und das sie aus vielen unberührten Hölzchen heraus finden muss, macht sie immer noch perfekt. Ebenso liebt Merlina das Fährten immer noch sehr.

5. Welche Eigenschaften schätzst du an deinem Hund bzw. dem Appenzeller Sennenhund besonders?

Merlina hat einen enormen Arbeitswillen, einfach nur Spazierengehen findet sie heute noch sehr langweilig. Sie bleibt dann stehen an den Orten, an denen wir früher gearbeitet haben und will etwas tun. Trotz ihren 16 Jahren liebt sie die Abwechslung und ist immer noch sehr aktiv, sie will immer noch überall dabei sein.

Merlina, 11-jährig, beim Spielen im Schnee. Sie ist auch mit 16 Jahren immer noch sehr aktiv.

6. Das lustigste, schönste oder denkwürdigste Erlebnis mit deinem Bläss?

Da kommt natürlich in den 16 Jahren sehr viel zusammen.


Als Merlina ein Welpe war, nahm ich mir vor, dass sie nie die Gelegenheit haben sollte, ein Tier zu jagen. Da wir jeden Tag mehrmals im Wald ohne Leine unterwegs waren, ist es sehr wichtig für mich, dass sie keine «Jägerin» ist. Deshalb war ich mit ihr immer sehr aufmerksam unterwegs, um jegliches Jagdverhalten im Ansatz zu unterbinden.

 

Eines Tages, als Merlina noch ein Junghund war und mit ihrem Lieblingsball im Wald unangeleint am Wegesrand stand, wurde sie urplötzlich von drei Rehen links und rechts  überrannt, eines sprang sogar über sie. Voller Schreck sah ich, wie Merlina den Rehen nachsetzte. Ich sah schon rot, aus Merlina wird doch eine Jägerin ... Keine zehn Sekunden später kam Merlina zurück und sah mich an, als wollte sie sagen: «Diese komischen Viecher spielen ja gar nicht mit mir!»

 

Ihr Interesse an Rehen war damit erloschen. Als später immer wieder Rehe vor uns über den Weg liefen, beachtete Merlina sie nie mehr.  Auch nicht, als ein Rehbock uns fast jeden Tag auf unserem Spaziergang «begleitete». Er lief jeweils parallel mit uns im Wald neben dem Weg. Wieso er dies machte, blieb sein Geheimnis.


Aber da ist noch etwas, das Merlinas Wesen zeigt: Aussen rauh und hart, innen weich und empathisch. Es war vor einigen Jahren, wir erwarteten einen Service-Monteur für unsere Wärmepumpe und liessen Merlina deshalb vorher noch in den Garten. Plötzlich hörte ich Merlina bellen, und weil sie nicht mehr aufhörte, ging ich nachschauen, was da los sei. Ich staunte nicht schlecht, als sich ein fremder Mann, der sich als Service-Monteur entpuppte, im Garten aufhielt. Merlina verteidigt ja ihren Garten und ihr Haus extrem gegen fremde Menschen, weshalb viele Leute Angst vor ihr haben. Ich fragte den Mann, ob er nicht Angst habe vor dem Hund. Er sagte mir: «Nein, sie hat mich ja die ganze Zeit abgeleckt und gebellt.»  Da war ich doch echt verblüfft über dieses Verhalten von Merlina. Sie wollte mich rufen und war doch dem Mann freundlich gesinnt.
 

Interview: Daniela Rinderknecht

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Erstellt von: Daniela Rinderknecht, Textwerkerei