Unsere Reise nach Finnland

Es ist ja nicht so, dass mein Mann Rolf und ich noch nie in den nordischen Ländern Urlaub gemacht hätten. Ganz im Gegenteil. Es zieht uns regelmässig in den Norden. Schon vor ein paar Jahren wollten wir Finnland bereisen. Doch unsere Reise fiel im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Wir mussten unsere Route dem Wetter anpassen, und so wurde es nichts mit Finnland. Aber schon damals war uns klar: Finnland – das holen wir nach. Warum? Vor allem wegen der Natur, den Wäldern und den Seen. Und: Wegen der finnischen Appenzeller-Sennenhundezucht.


Es begann vor über 50 Jahren
So suchte ich als erstes für unsere Reiseroute die Orte heraus, wo es Appenzeller-Sennenhundezüchter/innen gab. Dabei stellte sich heraus, dass sich viele rund um Turku befanden. Ich vermute, das ist dem Umstand zu verdanken, dass Vuokko Eräjää in dieser Region lebt. Sie holte vor über 50 Jahren ihren ersten Appenzeller Sennenhund aus der Schweiz nach Finnland und legte damit den
Grundstein für die finnische Appenzeller-Sennenhundezucht.

 

In Anbetracht der Grösse Finnlands kam uns dieser Umstand sehr gelegen. Zumal Turku ganz an der Südspitze von Finnland liegt und
sowohl über Stockholm als auch über Rostock und Travemünde via Helsinki mit der Fähre gut erreichbar ist. Wir entschieden uns für die Variante Stockholm – Turku. Einfach, weil die Überfahrt mit rund neun Stunden die kürzeste und direkteste Variante ist.

Zu Besuch bei Mari und Mika Ojala

In den Tagen vor unserer Abreise hatte ich sehr regen Kontakt mit einzelnen finnischen Züchterinnen. In Mari Ojala (Hakuhauskan)
hatte ich eine sehr engagierte Züchterin kontaktiert, die sich sofort bereit erklärte, dafür zu schauen, dass ich mir Appenzeller Sennenhunde anschauen konnte. Sie lud uns zu sich nach Hause ein, und dort begrüssten uns schon mal drei Appenzeller und ein kleiner Spitz. Die Begrüssung, ganz appenzellertypisch, war laut, freundlich und etwas chaotisch. Jeder musste ja schliesslich schauen,
dass er den näheren Kontakt zu uns hatte als der andere. Irgendwie schafften wir es doch bis zum Sofa, wo wir uns hinsetzten und nicht mehr aufstehen konnten, weil flattieren und knuddeln angesagt waren.


Es dauerte nicht lange, und Taina Lestelin (Tailtiimin) stiess zu uns. Sie brachte eine Lachswähe und eine süsse Beerenwähe mit. Und so sassen wir zusammen bei Kaffee und Kuchen und tauschten uns in einem Mix aus Englisch, Deutsch und Finnisch über die Appenzeller-Sennenhundezucht in Finnland und der Schweiz aus.

Vorbildliches Stammdatensystem
Später stiess noch Tarja Karlemo (Appelkiepin) dazu. Ich bekam einen Einblick in die finnischen Stammdaten und kam nicht zum
Staunen heraus. Was hier der finnische Kennelklub bereits vor Jahren für sämtliche Hunderassen in Finnland auf die Beine gestellt hat – einfach grandios! Das hat Vorbildcharakter. Von einem solchen System können wir in der Schweiz nur träumen. Es versteht sich wohl von selbst, dass an diesem Nachmittag viel Wissen zwischen der Schweiz und Finnland ausgetauscht wurde.

 

Hier gehts zum Datenprogramm des finnischen Kennelklubs: jalostus.kennelliitto.fi


Für den späteren Nachmittag hatte Mari für uns noch ein Treffen organisiert. Wir fuhren zu einem Schulhausareal, und ich durfte auf sehr nette Menschen und Hunde treffen. Mari, Taina und Tarja erklärten mir die Abstammung jedes einzelnen Hundes. Es war sehr spannend, und ich konnte mich kaum satt sehen. Ich erkundigte mich über den Ausbildungsstand der Hunde, wie sie leben usw. Aber damit nicht genug. Spontan kam es noch zu ein paar kleinen Vorführungen. Unterordnung, Such- und Nasenarbeit. Ich kam nicht zum Staunen heraus. Mein Hündelerherz schlug höher. Denn bei dem, was ich hier zu sehen bekam, muten unsere Sportprüfungen mit den geforderten Aufgabestellungen teilweise recht lächerlich an.


Natürlich durfte ein Gruppenfoto nicht fehlen. Alle Hunde nebeneinander zu bringen, war eine kleine Herausforderung. Aber letztlich
hats geklappt. Danke an dieser Stelle allen, die an diesem kleinen Treffen teilgenommen haben. Ich habe mich über diese nette
Geste sehr gefreut!

Finnische Gastfreundschaft
Danach gab es Abendessen bei Mari und ihrem Mann Mika. Auch Taina ass mit uns, und wir unterhielten uns über Ausstellungen, unsere Hunde usw. Auch für unsere Übernachtung war bereits gesorgt. Mari und Mika luden uns ein, bei ihnen zu übernachten. Wir
haben traumhaft geschlafen. Nach einem ausgiebigen und sehr feinen Frühstück verabschiedeten wir uns von Mari und Mika und
machten uns auf den Weg, um uns mit Tuija Mannervesi zu treffen, die uns zu Vuokko Eräjää begleitete. Danke, Mari und Mika, für
eure grosszügige Gastfreundschaft und eure Organisation!


Und so trafen wir alsbald Tuija, ihren Mann und ein Auto voller Appenzeller Sennenhunde. Die Fahrt zu Vuokko führte uns vom Festland hinaus in den Schärengarten vor Turku. Welcher übrigens der Schönste auf der Welt sein soll. Vuokko lebt auf einer dieser Schäreninseln. Wunderschön.

 Bei Vuokko Eräjää im Schärengarten

Als wir bei Vuokko ankamen, begrüssten uns erst einmal Tuijas Hunde, drei an der Zahl und überaus freundlich. Ein kleiner Fussmarsch zu Vuokkos Haus, und schon standen wir in ihrer Küche. Vuokko hatte noch etwas zu erledigen,
und so hantierten Tuija und ihr Mann schon mal in der Küche und bereiteten den Tisch vor. Bei Kaffee, feinem Gebäck und süssen
Erdbeeren unterhielten wir uns – natürlich vor allem über Appenzeller Sennenhunde, die Zucht, den Klub, aber auch über vieles mehr.

 

Im Verlaufe unseres Kaffeekränzchens hatte Tuija ihre Hunde aus dem Haus geführt, und Vuokkos zwei Hunde gesellten sich zu uns.
Auch diese beiden Hündinnen überzeugten durch ihr ruhiges und freundliches Verhalten. Die Zeit verging wie im Flug. Tuija verabschiedete sich von uns, und wir wurden von Vuokko eingeladen, die Nacht bei ihr zu verbringen. Wir nahmen dankend an.


So fuhren wir mit unserem Bus hinunter zum Saunahaus, welches unmittelbar am Wasser stand. Gefolgt von Vuokko auf ihrem Quad
und den beiden Hunden. Vuokko zeigte uns, was wir zu tun hätten, falls wir noch saunieren wollten, sowie den kleinen Aufenthaltsraum nebenan, das Plumpsklo usw. Dann verabschiedete sie sich und lies uns mit dem herzhaften Spruch «Help yourself» zurück.


Und genau das haben wir dann auch gemacht. Wir haben uns eingerichtet, Abendessen gekocht und den Ausblick von der Veranda aus genossen. Und da die Sonne ja nicht wirklich unterging, konnten wir diese unglaubliche Ruhe und Idylle noch sehr lange geniessen. Mit einer Tasse Kaffee in der Hand beobachteten wir, wie die Fische tollkühn aus dem Wasser sprangen. Wie Rotwild aus den
umliegenden Wäldern hervorkam, um direkt vor unserer Nase Gras zu fressen. Schauten einem Vogel zu, wie er sich, immer wieder
kreisend über dem Wasser, urplötzlich im Sturzflug in die Fluten stürzte. Und wir beobachteten in der leichten Dämmerung einen
Dachs, der übers Feld huschte.

Abschied von der Idylle
Im Verlaufe des nächsten Morgens wurden wir von einer fröhlichen Vuokko und zwei aufgestellten Appenzellern begrüsst. Während
die Hunde im Wasser planschten, unterhielten wir uns über Gott und die Welt. Und Vuokko lud uns ein, so lange zu bleiben, wie wir wollten. Das war sehr grosszügig von ihr. So blieben wir schliesslich länger an diesem wundervollen Ort. Denn wo, wenn nicht hier, kann man sich vom heimischen Alltagsstress erholen? Doch, wenn wir von Finnland noch mehr sehen wollten, mussten wir wohl oder übel diesen wunderschönen Ort verlassen. Und so verabschiedeten wir uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge von Vuokko.


So endete das erste und das für mich persönlich grösste Highlight dieser Reise, um Platz zu machen für weitere Erlebnisse, die da noch
kommen sollten. Es gäbe noch so viel mehr über unsere Reise und dieses faszinierende Land zu erzählen. Besonders gut hat uns zum
Beispiel die Seenlandschaft in Mittelfinnland gefallen. Oder die vielen Nationalparks, in denen man unendlich wandern kann und auf
unglaublich schöne Orte und Ausblicke trifft. Oftmals war es für uns so, dass es uns regelrecht in die Natur und Wälder hinauszog und
wir um grosse Städte herum gefahren sind. Wir hatten einfach keine Lust auf Zivilisation.

 

Unser Weg führte uns hoch bis Rovaniemi und zum Polarkreis. Selbstverständlich durfte dabei nicht das kitschige und auf Kommerz ausgerichtete Santa Claus Village (Dorf des Weihnachtsmannes) fehlen. Umso kurioser, wenn man dieses im Sommer besucht, es 24 Stunden hell ist und man permanent von Weihnachtsmusik berieselt wird. Man kann sich jedoch sehr gut vorstellen, wie unglaublich schön es zur Winterzeit wirken muss, wenn Schnee liegt und es 24 Stunden dunkel ist.

 

Via Tornio – Haparanda wechselten wir von Finnland nach Schweden. Da wir uns mittlerweile schon einige Male in Schweden aufhielten, haben wir auch hier die obligaten Grossstädte gar nicht erst angefahren. Vielmehr haben wir uns auch hier an das Ländliche gehalten und kleinere Orte aufgesucht.

Quasi den Abschluss unserer Reise machte dann noch der eintägige Abstecher nach Fehmarn. Eine Insel, welche in aller Regel, will man in den Norden, nur durchfahren wird, um von A nach B zu kommen. Wir haben uns deshalb gesagt, weshalb nicht auch Regionen anfahren, welche man normalerweise einfach nur durchquert. Auch Fehmarn ist definitiv einen längeren Aufenthalt wert. Es ist eine schöne kleine, überschaubare Insel. Am idealsten erkundet man Fehmarn übrigens mit dem Fahrrad.


Insgesamt waren wir fast vier Wochen unterwegs. In dieser Zeit haben wir rund 6300 km zurückgelegt.

Fazit unserer Reise
Der persönliche Kontakt mit Mari, Taina, Tarja, Tuija und Vuokko sowie den anderen Hundehalter/innen lag mir ganz speziell am Herzen, und ich habe mich riesig darüber gefreut, dass wir uns treffen und kennenlernen konnten. Finnland als Land ist definitiv eine – nein, mehrere Reisen – wert. Es ist ein unglaublich schönes Land. Mit eigenem Charakter und Charme. Wer noch nie in Finnland war, der war noch nicht im Norden. Das wilde Norwegen und das liebliche Schweden mögen vielleicht beliebter sein, wer aber die Natur liebt, hat definitiv etwas verpasst, wenn er noch nie in Finnland war.


Auf Wiedersehen in Finnland – Hyvää Suomessa!

 

Wer mehr über unsere Reise und unsere Besuche bei den finnischen Appenzeller-Sennenhundezüchtern erfahren möchte: Einfach
melden!


Cornelia Biedermann

Cornelia Biedermann auf ihrer Finnland-Reise.

Besonders die Natur Finnlands hat es Cornelia Biedermann und ihrem Mann angetan.

Fotos: Rolf Biedermann

Logo Schweizerischer Club für Appenzeller Sennenhunde